| DERIVA
- - - - - - - - - RAFFAELLA FORMENTI |
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‘Deriva’:
für den Segler Abtrift, ohne Steuer treiben. Für Raffaella Formenti: bewusst sich außer Kontrolle geraten lassen, und wieder zur Kontrolle zurück kehrend, getragen von den Wellen und Wogen der Einflüsterungen und Suggestionen des gegenwärtigen Lebens. In der Realität navigieren, „browsen“ wie im Inneren eines Computergehirns mit gesprungenen Federn und durchgebrannten Leitungen – so präsentiert sich uns die künstlerische Strategie von Formenti (geboren 1955 in Brescia), in erster Instanz eine unermüdliche Sammlerin von Botschaften, Relikten und Fragmenten, flüchtigen Eindrücken und Zitaten unserer alltäglichen Umgebung, welche sie aus der Flut von Werbung und Reklame, Verpackun-gen, Informationsblättern, Prospekten und Hinweisschildern auswählt, welche uns dauerhaft und aufdringlich begleiten und bombardieren, und deren Absurdität uns nicht mehr wirklich auffallen will. Formenti erspäht jedoch diese Eigenarten der Medien, ihren verborgenen „Nonsense“, wie eine Wissende, eine Eingeweihte der Riten des Kommerzes. Sie agiert als Analytikerin und „Agent Provocateur“, die darauf abzielt, unsere verschlafene und betäubte Wahrnehmung wachzurütteln und aufzuklären. Sie scheint sich zu verlieren im Dickicht der Worte und schlägt uns vor, mit ihr im Delirium der Illusionen zu vagabundieren, quasi wie in einer fiktiven Reality Show. Die künstlerische Aktion beginnt damit, dem Primärmaterial die Seele zu entreißen, deren Hochglanz-ästhetik zu verunstalten und zu verunglimpfen, die „Fassaden“ (Oberflächen) von Obstkartons, Broschüren und jeder Art von kommerzieller Kommunikation zu manipulieren. Damit wird ihr ursprünglicher Kontext gelöscht und ihre komische Seite enthüllt, die Perversion einer kodifizierten Sprache eines nicht mehr zu bremsenden Konsumismus, welche überall und konstant auf uns einschlägt. Für die Konstruktion ihrer Werke hat „Raffo“ ein Modul erfunden, eine Art gefalteter Pixel, und verpflanzt damit das originäre Material in vielfarbige Texturen, ein komplexes Mosaik bildend, das sich ins Unendliche fortsetzen könnte. Ergebnis: skulpturale Akkumulationen, dreidimensionale Assemblagen, Installationen, die den Raum usurpieren, Reliefs und Wandobjekte, auch von malerischer Qualität, die sich mit poetischer Raffinesse zu ausufernden Environments vereinen. Die Betrachtenden werden mit Textfetzen irritiert und aufge-scheucht: „Tutto speciale“ (Alles besonders), „Gratis“, „Vincere“ (Gewinnen) etc.. Bildausschnitte springen uns ins Auge, frei schwingende federnde Antennen und Tastaturen laden zum Spielen ein. Sie simulieren den physischen konkreten Kontakt mit einem nicht existierenden Netz, das uns abdrängt, abtreibt in Scheinwelten. Drei Faktoren der akademischen Ausbildung an der Brera in Mailand bleiben für Formenti von tragender Funktion bei ihrer Arbeit: das Wort, das Zeichen, die Farbe. Sie verbünden sich quasi in jedem einzelnen Werk zur Steigerung seiner Ausdruckskraft, jenseits des Diskurses der Künstlerin, welcher um die „Supermarkt-Magic World“ kreist. Selektion, Komposition und inhaltliche Überlegungen – klassische und fundamentale Aspekte der Kunst – leiten das Navigieren also letztendlich in konstruktive Bahnen und verraten den ernsten, ja intellektuellen Kern der ästhetischen Strategie von Raffaella Formenti. 1992 entsteht der erste „Torre informatica“, 1997 nimmt die Künstlerin teil an der Ausstellung „Trash: quando i rifiuti diventano arte“ (Trash: wenn aus Müll Kunst wird) im MART (Rovereto) unter der Regie von Lea Vergine, ebenso 1996/97 Teilnahme an „Escatalogica“, einer Wanderausstellung kuratiert von Roberto Peccolo, 2000/2001 am Projekt „Doppio Triangolo“. Formenti vertritt Italien in einer Serie von Ausstellungen in der Slovakei, Italien und der Schweiz. Von Martina Corgnati wird Formenti zum III Premio Internazionale di Scultura Regione Piemonte eingeladen, und mit dem Projekt „Regard’ailleurs“ unter den zehn Finalisten ausgezeichnet. In dieser Zeit erfindet sie fantastische Suchmaschinen für Arbeitslose unter dem Titel www.travagliare.com, eine virtuelle Internetadresse und reale Anlaufstelle während der Ausstellung „030, arte da brescia“,kuratiert im Jahre 2003 von F. Paris und F. Tedeschi. Weiterhin Teilnahme an zahlreichen Ausstellungen, darunter „Pleinair 2004“ in Darmstadt und „Segnali inquieti“ (Galleria Peccolo, Livorno). 2006 findet die Einzelausstelllung „Zig Zag tra Bus e Spam“ (Palazzo Libero, Villa Lagarina) statt. Arbeiten von Formenti werden bei „Tuttolibri“, kuratiert von Lea Vergine“, in der Galleria Milano gezeigt, bei Alfabeti“ im Spaziocontemporaneo (Mailand), sie befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, zum Beispiel dem „Archivio Nuova Scrittura“ (MART, Rovereto), welche damit die Bedeutung des Werkes und seiner unermüdlichen Autorin bestätigen, die mit ironischem Blick, mit hoher poetischer Sensibilität und quasi neodadaistischem Witz auf die Gegenwart reagiert. Das Oeuvre von Formenti nimmt nun Kurs auf Desenzano del Garda. Anlässlich
der Ausstellung in der Galleria Maurer Zilioli wird auch ihr „Wasserpfeil“
gezeigt, von Fraglia Vela (dem hiesigen Segelclub) als Trophäe
für die Regatta „Eni-Vodafone 2007“ ausgewählt,
dem Finale der großen Regatten der Saison. Öffnungszeiten: Di - So 15.30 - 20.00, auch an
Feiertagen
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